25 Jahre Jubiläum der Ehemaligenvereinigung

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Ansprache unseres Ehrenvorsitzenden Herrn Hauptmann a.D. Klaus Schatz

25 Jahre Vereinigung Ehemalige Fernmeldesektor C

 

Muss man das eigentlich feiern?

Diese Zeit sicher nicht!

Zumal die Vereinigung ja genau genommen schon seit 1958 als

Unteroffiziersvereinigung existierte, dem Vorläufer unserer Vereinigung.

In unseren letzten 25 Jahren ist doch, außer, dass man unseren Turm,

unsere Einsatzstellung, ja unseren Sektor gänzlich vernichtet hat, kaum

wesentliches geschehen.

Sicher, das Jahr 2005 hatte es in sich!

Die Sprengung unseres Turmes, die ja auf einmal ein bundesweites,

aufsehenerregendes Ereignis war, hat ja nicht nur uns selbst, sondern

darüber hinaus vielen Menschen noch einmal diese Einheit, diesen

Fernmeldesektor C in Erinnerung gebracht.

Unsere Medien, Funk und vor allem Fernsehen haben dieses Ereignis für

kurze Zeit zu einem Sensationsspektakel hochgespielt.

“Spionageturm in Grenznähe“ und ähnliche Fantasiebezeichnungen konnte man hören und sehen. Besonders an Brisanz hat das Ereignis dann

zugenommen, als man erfahren hatte, dass ein Unternehmen aus der

ehemaligen DDR die Vernichtung (den sogenannten Rückbau) vornehmen würde. So ist es dann auch zu erklären, dass der Sprengmeister etwa

zehnmal soviel Sendezeit beim NDR für die genaue Schilderung der

Sprengung bekam, als wir Soldaten, um die Bevölkerung, wenigstens in ganz groben Zügen, über die Aufgaben dieses Turmes zu informieren.

Der Kleinkrieg mit unseren diesseitigen Behörden, der ebenfalls in dieser Zeit stattfand, nachdem wir darauf bestanden haben, wenigstens ein Denkmal hier auf dem Stöberhai zu bekommen, war stellenweise fast lächerlich.

Den ganz tollen Beistand unserer hiesigen Kreisverwaltung, die

zwischenzeitlich wieder Eigentümer der Anlage war, hat sicher unser Oberst und unser Spieß auch noch in guter Erinnerung.

Das der oberste Baurat mich als einen Querulanten bezeichnete, hat mich nicht sonderlich getroffen.

Aber letztlich haben wir auch das geschafft, genauso wie wir Sektorleute in den vielen Jahren vorher auch schon sehr viel geschafft haben.

Bei meinen Überlegungen zu diesem Vortrag habe ich mir die Frage gestellt, was hatte dieser Sektor so Besonderes an sich, dass wir nach gut 60 Jahren

noch immer eine Gemeinschaft sind, die weiß Gott nicht alltäglich ist.

Wie kommt so etwas Tolles zustande?

Ich glaube, der Begriff “Kameradschaft“ hat hier sehr vieles bewirkt.

Findet man so etwas außerhalb der Bundeswehr zum Beispiel in

Industriebetrieben oder ähnlichen Unternehmen überhaupt? Wohl kaum!

Die Tatsache, dass diese, unsere Vereinigung nicht einfach nur ein normaler Verein von beitragszahlenden Mitgliedern ist, die sich viermal im Jahr treffen.

Nein, das reicht nicht aus! Vielmehr sind wir eine Kameradschaft!

Eine Kameradschaft, die in vielen Jahrengewachsen ist - und der in vielen Jahren auch nach dem Wegfall des eigentlichen Mittelpunktes - nämlich

unseres Sektors sowohl der Gemeinschaftsgeist als auch der hohe Wert der

Kameradschaft nicht verloren gegangen sind!

Wie kann eine so schöne, wertvolle Gemeinschaft eine so lange Zeit

zusammen bleiben? Ich glaube, man kommt nicht umhin, ein bisschen weiter zurückzuschauen, zurück in unsere aktive Dienstzeit.

Jetzt hier natürlich die fast 35 Sektorjahre Revue passieren zu lassen,

obwohl das auch heute noch immer interessant wäre, das würde wohl

unseren heutigen Rahmen sprengen.

So will ich einmal versuchen, im Zeitraffer, die Gründe für diese wertvolle

Gemeinschaft zu erklären.

Seit Anbeginn bis zum Ende unserer Tätigkeit im Sektor, waren bei uns

fast immer auf recht engem Raum, alle zusammen.

Alt und Jung, Soldaten aller Dienstgrade, vom Flieger bis zum Hauptmann, Menschen aus allen Ecken der Bundesrepublik Deutschland, waren

Tag und Nacht, werk- und sonntags, miteinander, füreinander damit

beschäftigt einen gemeinsamen Auftrag zu erfüllen.

Das hat uns extrem zusammengeschweißt!

Die vielen, vielen Busfahrten von Osterode zum Stöberhai hin und zurück, wieder auf engem Raum, waren unserem Zusammenleben sicher auch

nicht abträglich.

(Auch wenn der eine oder andere Kamerad hier mal geschlafen hat.)

Dass damals auch etwas unangenehmere Begebenheiten, die damals so empfunden wurden, unserer Gemeinschaft kaum etwas anhaben konnten,

möchte ich nur mal an Beispielen anführen.

In den Siebzigerjahren hatte ein Sektorchef die grandiose Idee uns zu

Bauhandwerkern umzuschulen, um mit selbsterbauten Erdstellungen

im Stellungsbereich den Gegner, wenn er denn gekommen wäre,

abzuwehren. War das eine tolle Arbeit!!!

Oder zum Beispiel die tolle Phase von Daueralarmen, die allerhöchstens

unsere Familien zuhause genervt haben - Die Frauen und Kinder.

Erstere haben dann, mehr oder weniger auffällig aus ihren Herzen auch

keine Mördergrube gemacht.

Unserem guten Zusammenhalt haben auch solche Abläufe eher genützt als

geschadet. Mit diesen kleinen, aneinandergereihten Begebenheiten in

unserer aktiven Zeit, wurde der Grundstein für die nun schon so lange

währende, gute Kameradschaft gelegt.

Dass es auch heute noch von dieser langen, schönen, gemeinsam erlebten Zeit, so viele Anekdoten zu erzählen gibt, das kann man bei unseren, noch immer sehr netten Zusammenkünften feststellen.

Wir sind nur kurze Zeit beieinander und schon sind wir mitten im Sektor.

Das, finde ich, ist sehr gut so.

Der größte Teil unserer Mitglieder hat den wichtigsten Teil seines Lebens mit

oder in diesem Sektor verbracht, das ist der Grundstein dieser heute noch so

großartigen Gemeinschaft.

Und noch eine Tatsache verdient es unbedingt erwähnt zu werden.

 

- Unsere Frauen -

 

Viel, viel zu spät haben wir sie mit in unser Boot genommen.

Mit unserem schon fast krankhaften Zwang zur Geheimhaltung haben wir es alle unversucht gelassen, mit unseren Frauen, denen zuhause allerlei

schwere Probleme überlassen wurden, gemeinsam viel mehr Zeit zu

verbringen. Seitdem wir das - Gott sei Dank - vielleicht noch nicht zu spät - geändert haben, hat unsere Gemeinschaft viel gewonnen, das ist sehr gut so

und muss, sollten wir die Zeit noch geschenkt bekommen, auch so bleiben.

 

Mir liegt noch eines am Herzen.

Heute vor vier Wochen haben wir unsere gemeinsame Jahresfahrt

unternommen. Der Bus war, wie immer rammelvoll und das sicher nicht nur,

weil Mecki-Reisen immer einen vollen Reisebus haben möchte.

Nein, es waren wieder einmal viele Frauen mit an Bord. Das war prima!

Dass diesmal auch Frauen mit uns gefahren sind, deren Männer nicht mehr

unter uns sind, das hat mich ganz besonders gefreut.

Hier, - liebe Freunde - ist für uns alle, nicht nur für den Vorstand, jetzt und künftig eine ganz wichtige Aufgabe entstanden.

Es muss uns eine vornehme Pflicht sein, diese plötzlich alleinstehenden

Menschen mitzunehmen, nicht nur in unserem Reisebus, sondern in unserer tollen Gemeinschaft.

Ich denke, Sie glauben mir das, wenn ich mir das wirklich wünsche.

Ich bin stolz, dass bei allen Anlässen, sowohl den erfreulichen, unseren

vierteljährlichen Zusammenkünften, Grünkohlessen, unseren gemeinsamen Fahrten, aber auch den traurigen, das Abschiednehmen von ehemaligen

Kameraden und Partnern unsere Mitglieder mit vorbildlicher Anteilnahme

zeigen, wir gehören zusammen.

 

Lasst uns dies beibehalten, solange es uns noch möglich ist, denn leider kommen keine jungen Kameraden mehr in unsere Vereinigung nach.

 

Wie lange noch, dann wird es diese unsere Vereinigung - und uns selbst -

auch nicht mehr geben.

 

Wir sollten deshalb den Rhythmus unserer Zusammenkünfte weiter so

beibehalten, denn die Erinnerungen an unseren Sektor sind einfach zu

wertvoll, als dass wir sie so einfach einschlafen lassen.

 

Ich danke Euch allen für Eure Aufmerksamkeit und wünsche uns in Wieda

noch ein paar schöne, gemeinsame Stunden.

 




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Veröffentlicht
15:57:56 24.06.2018
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